CNG (Erdgas) – Europäischer Marktpreis für Erdgas kollabiert

Seit die USA begonnen haben nationale, unkonventionelle Erdöl- und Erdgaslagerstätten mittels Fracking-Technologie zu erschließen, haben sich die Erdgaspreise von den Erdölpreisen entkoppelt und notieren mit erheblichen Preisabschlägen von bis zu 90% (Schwankungsbreite von 54 bis 90% innerhalb der vergangenen 5 Jahre). US Erdgas ist bereits seit 5 Jahren um bis zu 90% günstiger als Erdöl.

Erdgas

Während Öl in Weltmarktpreisen gehandelt wird, unterliegt die Preisfindung im Erdgas unterschiedlichen Mechanismen. Einerseits wird Erdgas an Marktplätzen gehandelt (in Nordamerika nahezu 100%, in Europa rund  50%) andererseits werden langfristige Lieferverträge abgeschlossen (in Europa zu 50% und in Asien nahezu 100%). Die Grafik zeigt die Entwicklung der freien Marktpreise in den USA und in Europa.

Billiges US Erdgas bringt europäischen Erdgasmarkt ins Schwanken

Auch wenn die USA noch nicht „billiges“ Erdgas nach Europa exportieren, so wirken diese indirekt auf den europäischen Energiemarkt. Das billigere und sauberere Erdgas ersetzt in den USA zunehmend Kohle in der lokalen Stromproduktion und die überschüssige Kohle wird nach Europa exportiert. Alleine Deutschland importierte im Jahr 2013 50.6 Millionen Tonnen Steinkohle mit einem Gegenwert von 4.1 Milliarden Euro (Zuwachs von 15.2% gegenüber dem Vorjahr).

Die günstige und schmutzige Importkohle erlaubt in Europa eine deutlich günstigere Stromproduktion als mit Erdgas, welches auf Basis der langfristigen Lieferverträge mit Gazprom importiert wird. Aus diesem Grund wurden in Europa zahlreiche Erdgaskraftwerke zumindest temporär vom Stromnetz genommen und durch Kohlekraftwerke ersetzt. Die Verträge mit Gazprom beinhalten Preisformeln, die sich an den Ölpreisen orientieren und sind zusätzlich mit Klauseln zur garantierten Lieferung und Abnahme bestimmter Mengen versehen. Da die aktuellen Marktpreise in Europa bereits rund 50% unterhalb der Preise aus den langfristigen Lieferverträge liegen, müssen die europäischen Käufer (ie Versorger, Verteiler) die überschüssigen Mengen aus den Abnahmeverpflichtungen mit hohen Verlusten auf dem freien Markt weiterverkaufen.

Dieser Verkaufsdruck wird solange anhalten bis a) der Betrieb von Gaskraftwerken wieder rentabel ist, b) Gazprom die Abnahmeverpflichtungen aus den langfristigen Lieferverträgen kürzt bzw. c) zusätzliche Nachfrage für Erdgas geschaffen wird. Besonders im Transport bietet sich eine Substitution von Erdöl durch die günstigere und sauberere Alternative Erdgas an.